Story

Innovationen: Eine Berg und Talfahrt für Entwicklungsteams

„Das ist ein Spitzenprodukt, aber verkaufen können wir das so nicht“, so das vernichtende Urteil aus dem Produktmanagement auf den Prototypen der CC-GRIND-ROBUST. Erfahren Sie, warum Innovationen einer Berg und Talfahrt gleichen, bis sie letztendlich auf ganzer Linie überzeugen!

„Das ist ein Spitzenprodukt, aber verkaufen können wir das so nicht.“, lautete das vernichtende Urteil meines Kollegen aus dem Produktmanagement. Als ich ihm voller Stolz einen quasi serienreifen Prototypen der CC-GRIND-ROBUST vorstellte, war das die letzte Reaktion mit der mein Projektpartner Dominik Vogt und  ich gerechnet hätten. Die innovative Schleifscheibe löste alle ausgemachten Probleme der Standardprodukte und hatte uns viel Know-how und Durchhaltevermögen abverlangt – Enttäuschung auf ganzer Linie.

Aber lassen Sie mich von vorne beginnen: Mein Name ist Dr. Sascha Rausch und mein Projektpartner Dominik Vogt und ich sind die leitenden Entwickler für die innovative Schleifscheibe CC-GRIND-ROBUST bei PFERD. Im Grunde genommen starten wir bei der Produktentwicklung immer am gleichen Punkt: Wir erkennen ein Problem und machen uns zur Aufgabe, dieses bestmöglich zu lösen. Die Ausgangssituation kann hierbei ganz unterschiedlich sein. Im besten Fall haben wir schon eine konkrete Idee, die wir zielgerichtet in die Umsetzung bringen. Im schwierigsten Fall haben wir noch keinen Ansatz und die Variablen sind so vielfältig, dass sie unzählige Versuche erfordern, um zu einem Lösungsansatz zu gelangen.

In Falle der ROBUST standen wir vor der Herausforderung, gleich mehrere Probleme mit einem Produkt lösen zu wollen: Lohnkosten sind wesentliche Treiber in Bezug auf die Prozesskosten. Daher sollte die neue Schleifscheibe dem Anwender in jedem Fall erlauben, seine Ergebnisse schneller zu erzielen als mit herkömmlichen Produkten wie Schrupp- oder Fiberscheiben. Gleichzeitig wirken sich ergonomische Faktoren im Schleifprozess langfristig auf die Gesundheit der Anwender aus. Wir haben uns daher zusätzlich zum Ziel gesetzt, wesentliche Einflussfaktoren wie die erzeugte Staubmenge, entstehende Vibrationen und den Lärm signifikant zu reduzieren. Das Produkt sollte zudem stabil genug sein, um auch im robusten Einsatz standzuhalten.

Mit dieser Aufgabenstellung sind wir in das Projekt gestartet und haben uns zunächst alle Variablen vom Trägermaterial über das verwendete Schleifmittel bis hin zu Bauform vorgenommen. Beim Schleifmittel sind wir relativ schnell bei VICTOGRAIN gelandet. Ein leistungsfähigeres Korn als präzisionsgeformtes Dreieckskorn gibt es aktuell nicht. Mehr Kopfzerbrechen haben uns hingegen Bauform und Trägermaterial bereitet. Bis hier alle Variablen gestimmt haben, haben wir viel Entwicklungsarbeit geleistet und zahlreiche Rückschläge bei den vielen Versuchen überwunden. Umso stolzer waren wir, als der erste wirklich leistungsfähige Prototyp stand, den wir voller Stolz und Enthusiasmus vorstellten.

Dass wir basierend auf den Fertigungskosten keinen Kundennutzen realisieren konnten, wollten wir im ersten Moment kaum glauben. Doch leider argumentierte der Kollege sehr schlüssig und stellte sein für uns hartes Urteil glaubhaft dar. Wir müssten das Produkt noch näher am Marktbedürfnis ausrichten, auch was den Preis betreffe, andernfalls nähme der Markt es nicht an, erläuterte Produktmanager Marco Steinwand seinen Standpunkt. Ein wahrhaft frustrierender Moment, der uns zeitlich und emotional weit zurückwarf und unser Durchhaltevermögen erneut auf die Probe stellte.

Frei nach dem Motto „Jetzt erst recht“ machte sich das Team nach dem Rückschlag erneut an die Überarbeitung des Prototypen. In unserem starken Willen, an dem Produkt festzuhalten und das Projekt noch zum Erfolg zu führen, tauschten wir uns mit verschiedenen Experten aus und probierten schließlich auch Materialien und Fertigungsverfahren aus, die ganz neu für uns waren, und deren Vorteile wir erst im Laufe des weiteren Projektes erkannten. So hangelten wir uns von Meilenstein zu Meilenstein, unser Ziel fest im Blick. 

Und plötzlich war sie da, die CC-GRIND-ROBUST, die alle definierten Ziele erfüllte und mit vertretbaren Fertigungskosten einher ging. Das Grinsen, mit dem mein Team das Produkt im nächsten Entwicklungsausschuss vorstellte, ließ unseren Kollegen aus dem Produktmanagement nur im geringsten erahnen, wie stolz und glücklich wir uns fühlten. Ein Moment der wahren Genugtuung.

Jetzt, wo das Produkt im Markt eingesetzt wird, und wir die Rückmeldung erhalten, wie gut unsere ROBUST bei den Anwendern ankommt, sind wir froh, dass unser Produktmanager auf diese zweite Runde bestanden hat, denn das letztendliche Ergebnis überzeugt im Markt auf ganzer Linie. Und nur durch die zweite Runde haben wir die neuen Fertigungsverfahren entwickeln können, mit denen wir hoffentlich noch zahlreiche weitere Innovationen auf den Markt bringen werden.

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